Tag 1: Bootsübernahme

Das erste was von Stone zu sehen war, kurz vor dem letzten Kreisel in der vierspurigen Schnellstraße, war ein Aldi, was sich auch noch als praktisch erweisen sollte, da wir bei der pünktlichen (*1) Ankunft um 14 Uhr gleich gefragt wurden, ob wir denn schon schon die nötigen Groceries eingekauft hätten … alldiweil das Boot noch nicht ganz fertig ist, und wir doch die Zeit nutzen könnten. Wenn wir dann in 30 Minuten zurückkommen, dann waer alles fertig. Fußläufig in der Stadt wär ein Coop, und gleich an der Schnellstraße wär ja ein Aldi. Jup. Gesehen. Passt.
Gesagt getan, ab zum Aldi. Da kennt man sich aus, da können wir den Wocheneinkauf auch in 30 Minuten hinbekommen. So im Grunde war es auch wie von Zuhause gewohnt. Dummerweise waren aber bestenfalls 10% der Produkte gleich (allen voran Schokolade :). Also ersteinmal Staunen über die englische Küche. Feinkost Aldi dürfte da auch einen sehr guten Überblick bieten, ist die Firma doch bekannt sich auf die typischen und umsatzstarken Produkte zu konzentrieren. Alle Gänge erstmal rauf und runter und schauen was es da so gib. Interessant. Sogar Marmite ist im Programm :)) Bemerkenswert auch wieviele Produkte speziell als ‚In England/UK‘ gemacht beworben werden. Entweder sind die Englaender wirklich so nationalistisch, oder Aldi greift wiedermal die Stimmung schneller und besser auf als jeder andere. Dann nochmal mit dem Wagen durch und Einkaufen. Alles in allem (*2) wurden so aus den geplanten 30 Minuten dann doch 90. Macht aber nix, als wir wieder in der Werft sind, ist das Boot immer noch nicht fertig. Dafür ist Toby, einer der beiden Hunde der Vermieter, da, und der ist genau so knuddelig wie er auf den Bildern ausgesehen hat.

Die Leute vom Vermieter sind auch alle sehr freundlich, und in der Regel verständlich, auch wenn das eine oder andere Wort oder die Aussprache (*3) nicht so auf dem Lehrplan gestanden ist 🙂 Besonders deutlich wird dass wenn sie untereinander reden. Dann sinkt bei mir die Verständnissquote auf 70%. Maximal (*4). Nach ein bischen hin und her und Umladen (quer über 4 andere Boote), sowie das Tragen eines total mistrauischen Hunds kommt um 16.30 Endlich die sehr routinierte, trotzdem aber freundliche Einweisung ins Boot.

Inzwischen kam die Frage auf, ob wir nicht erst morgen fahren wollten – wohl weil jemand Feierabend machen wollte – was aber verneint wurde. Ich wollte wirklich RAUS AUFS MEER … Äh, den Kanal. Also gings kurz nach 17 Uhr auf die Fahrt mit zwei freundlichen Einweisern. Die Strecke war vielleicht 1km lang, aber mit zwei Schleusen. Wieviel Geschick und Vorwärtsdenken das Steuern eigentlich erfordert lernt man da nicht wirklich. Aber es ist genug, als dass man nicht gleich die nächste Brücke umfährt. Nach dem ‚Abschluss‘ gabs ein freundliches auf Wiedersehen und weg waren sie – und wir auf der Strecke. Aber nicht lange. Christine wollte mit Max gleich mal bis zur nächsten Schleuse auf dem Treidelpfad gehen. Kein Problem, fahr ich alleine.

Keine 100 Meter weiter fiel aber die Eingangstüre zu. Natürlich waren auch auch die Vordertüren zu. Und ich alleine. Bestens. Zum Glück war am Zündschlüssel auch der Türschlüssel (*5). Also hoffentlich war der das.Nur um das zu probieren musste man ja den Zündschlüssel abzuziehen, was bedeutet den Motor auszuschalten. Keine gute Idee, alleine mitten auf dem Kanal mit anderem Verkehr. Ich muss also anlegen. Natürlich waren auch die Funkgeräte noch nicht verteilt (*6). War also nix mit einfacher Koordination. Also erstmal allen Mut zusammengerafft und ein erstes eigenes Anlegemanöver ohne Hilfe vom Land aus durchgeführt. Hat tatsächlich nahezu problemlos geklappt. Was auf einer schnurgeraden Strecke ohne festen Zielpunkt aber auch eher einfach ist (*7). Nachdem das Boot leidlich vertaut war, schnell geschaut ob der Schlüssel auch passt. Tat er. Uff. Nachdem ich ein so glorreiches Anlegemanöver geschafft hatte, und an dem Ort das Vertäuen so einfach war (*8), fiel der Entschluss leicht, die Nacht gleich hier zu verbringen.

Na gut, weit sind wir nicht gekommen (geplant waren so 2 Stunden Fahrt mit zwei zusätzlichen Schleusen), aber wir waren schonmal aus der Garage raus.

Tag 1 geschafft: 2 Schleusen und großzügig gerechnet 500m

*1 – Ich weiss, ich und pünktlich sind eigentlich Fremdwörter, aber es hat echt geklappt.
*2 – Und was wir alles gekauft haben um so richtig Englisch zu frühstücken – vom ‚Hobgoblin‘ Ale garnicht zu reden, wer kann so einem Namen schon wiederstehen :))
*3 – Man merkt dass man bereits deutlich in Richtung Westküste unterwegs ist. Manchester wird hier schon als M_a_nchester ausgesprochen, nicht M_ä_nchester.
*4 – Christine meint es währen eher 0,7%
*5 – scheint schon öfter passiert zu sein :))
*6 – Chr war zu dem Zeitpunkt sowiso noch der Meinung das die Funkgeräte eh nur eine weitere meiner völlig überflüssigen Spielereien sei 🙂
*7 – Es war so ein bischen wie bei meiner Fahrprüfung vor vielen, vielen Jahren. Da hat mich der Prüfer auch rückwärts einparken lassen … hinter einem Käfer der da ganz alleine auf weiter Flur stand.
*8 – Die Stadt Stone hat ihren Kanal schön hergerichtet. An dieser Stelle auch mit vielen Anlegeringen die auch noch jeweils von einer kleinen Solarlampe gekennzeichnet werden.

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