Erste Ablaeufe stellen sich ein

Gleich am Morgen gab es die ersten zwei ‚eigenen‘ Schleusen(*1). Klappte eigentlich ganz gut, bis auf das ich so 200m nach dem Verlassen von einer einzel fahrenden Englaenderin angemault wurde, dass man doch bei entgegenkommendem Verkehr die Schleusentore offen laesst. Stimmt zwar, dafuer muss man selbigen aber auch gesehen haben. Das war dann wohl die englische Bissigkeit und passte auch nicht so ganz zum Bootsnamen Don’t Panic.

Maximal einen Kilometer spaeter haben wir dann auch wieder zum Fruehstuecken angelegt. Das sollte dann auch zur Routiene werden fuer die restliche Fahrt: Aufstehen mit Weckbeagle(*2). Die diversen Pillen Schlucken, Blutdruck und -zucker messen, und was sonst an geriatrischer Selbstbehandlung angesagt ist, dann 1-2 Stunden fahren und dann erst ein ausfuehrliches Fruehstueck. Wir hatten schliesslich alle (halbwegs essbaren) englischen Fruehstuecksbestandteile (*3) beim Aldi gefunden.

Beim Ablegen gab es dann erste Bekantschaft mit den Rasern auf dem Kanal. Ein westwaertsfahrendes Boot wollte uns unbedingt noch ueberholen, obwohl es eigentlich noch weit weg war. Das fuehrte zu heftigen Wellenbewegungen wo ich das Boot gerade losgebunden hatte. Man glaubt einfach nicht wieviel Impuls in einem scheinbar langsamm dahinwackelndem Boot von 21m Laenge stecken koennen. Kurz darauf schlugen dann auch noch die Baumgeister zu. Als ich einem der vielen Angler raum geben wollte griff sich eine Weide den Nicholson Waterways Guide #4 und warf ihn zornig ins Wasser(*4). Das hat man von zu viel Ruecksicht. Die Lektion daraus: Anglern weicht man nicht aus, die haben den Booten auszuweichen.

Nach einigen witeren Schleusen war die Kreuzung von Etruria erreicht. Und ich hab die 300 Grad Kehre in den Caldon Kanal glatt ohne Probleme hinbekommen. Dort dann gleich angelegt und das oertliche Industriemuseum von aussen betrachtet. Es wird zwar in jedem Fuehrer erwaehnt, in allen Faltblaettern des Ortes sowie auf der Webseite beworben – und ist auch ueber weite Entfernungen auf der Strasse ausgeschildert, hat aber nur so ungefaer ein Dutzend Tage im Jahr geoeffnet. Auf der Insel ist irgendwie alles anders. Super Installationen ohne Moeglichkeit zur Benutzung 🙁

Nach dem Abendessen(*5) direkt am Museumsanleger ging es weiter durch Stoke. Links und rechts lauter Brachen oder Augenscheinlich auf frueheren Industriegelaenden angelegte neue Wohnsiedlungen. Nur wenige hundert Meter nach Abfahrt auch gleich die erste Doppelschleuse. Huebsch. Zwei Schleusen so aneinandergebaut, als dass nur 3 Torpaare gebraucht werden. Aufi gehts. Und das idylisch gelegen. Hielt aber nur 30m, bis wieder die nachsten Neubauten den Kanal saeumten.

Alles in allem etwas kurviger als auf dem Trent & Mercey, aber nicht schlimm. Gleich drauf fuhren wir duch den recht huebschen Hanley Park. Da Stoke aber auch eine Schul- und Universitaetsstadt(*6) ist, und diese den Park an mehreren Seiten umschliesst, gibt es den Nebeneffekt einer starken Population von Jugendlichen. Und rumhaengen im Park (samt unvermeidlichen Bierbuechsen) ist da eine Leiblingsbeschaeftigung. So auch hier. Natuerlich gibt es mitten im Park eine Verengung einer frueheren Drehbruecke, was eine Blase von Jungs undefinierbarer Herkunft auch allerliebst nutzte um aufs Boot zu springen und da rumzuturnen. Vater Jahn haette seine Freude gehabt.

Zum Glueck waren es nur 3 oder 4 und das nur Jungs, was zur Folge hatte, dass die natuerlichen Anziehungskraefte so einer Blase dafuer sorgten, dass sie nach so 100m auch alle wieder absprangen. Es duerfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die zurueckgebliebenen weiblichen Anteile dieser Herde spaetestens dann ob der Entfernung nicht nur als Ziele des Imponiergehabes ausfielen sondern, dass diese Entfernung eine Zusaetzliche Ruckholkraft in die Gruppe der Weibchen ausloest.

Dafuer wurde der Kanal jetzt enger, von mehr Industrie begleitet udn vor allem immer kurviger. Klar, ist ja ein Konturkanal. Sowas sagt sich nur viel leichter, als dass man die da vorhandenen Schlangenlinien mit einem Tanker wie dem unseren befaehrt. Sogar 270° Kurven waren dabei. Zum Glueck keine einzige Begegnung. Ich wuesste nicht ob ich das geschafft haette. Angeeckt hab ich trotzdem mehr als nur ein paar mal. Und die erste Zugbruecke gab es auch. Und in der Kurve danach (*7) ein Kricketfeld sowie ein paar Jungs in eine Battingrange zum ueben.

Beim ersten laengeren gerade Abschnitt, der auch ein Vorbeifahren anderer Boote erlaubte, wurde der Tag beschlossen.

Ende Tag 2: 11 Schleusen, eine Zugbruecke und ca. 7 Meilen

*1 – Davon gibt es eigentlich sogar ein 360° Video, aber irgendwie krieg ich die Software nicht zu laufen. Bei der Pearl Billigkamera (die aber keine Zeitlupe hat) war es ganz einfach. runterladen (CD war aber auch bei), installieren und fertig. Beim Markenteil von Samsung (doppelter Preis) gab es kein Medium, und die Installation klappt nur mit irre langem Key und Onlineverbindung. Und dann ist die Software ein kompletter Videoeditor, dabei wollte ich blos einen Stitcher um es bei Youtube hochladen zu koennen. :(( Aber die Geschichte schieb ich noch irgendwann nach.
*2 – Max, der Weckbeagle, kam so kurz nach sieben und schnaufte dann so laut, dass ich es auch merkte. Nicht zu verwechseln mit dem Osterbeagle.
*3 – Bohnen, Speck, Eier, Crumpets, Chester, Scones
*4 – Die Samsung 360° Kamera hat der Baum stehen lasen. Hatte wohl auch keine Lust auf umstaendliche Software.
*5 – Steaks vom Aldi mit SENFbutter – man lernt nie aus – sehr schmackhaft. Senf ist uebrigens auch so eine nette Sache zum Steak wie ich aus frueheren Englandaufenthalten weiss.
*6 – Staffordshire University
*7 – Hab ich schon gesagt, dass es kurvig war?

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