Eine Erungenschaft wurde freigeschaltet

Nachdem wir knapp hinter dem alten Frachthafen zwischen Eisenbahn und Kanal, übernachtet haben, ging die Fahrt glatt schon um 8 Uhr los. Schöne ruhige Strecke. Nach rund 45 Minuten kam die Park Lane (*1) Service Station des CRT(*2) und wir legten an, um mal testweise Wasser aufzufüllen. Bei der Bootsübernahme hieß es ja man solle öfter nachschauen, da man wesentlich mehr Wasser verbrauche als man so denkt. Stimmt. Nachdem die üblichen Hakeleien mit unbekannter Technik erledigt waren, dauerte das Auffüllen glatt 20 Minuten – und das wohl nur teilweise dem geringen Durchfluss der Zapfanlage geschuldet(*3).


Nach dem Wassernehmen ging es in der nächsten Stunde über die pitoreske Abzweigung in den Leek-Arm und mit diesem über das Aquädukt, dass mit 2 Brücken über die Eisenbahn und den Caldon Kanal die Talseite wechselt. Pitoresk ist ein Adjektiv das man hier jeder zweiten Brücke und vielen anderen Bauwerken und Situationen rund um den Kanal geben kann. Das hier war aber wirklich hübsch mit der Gußeisenbrücke und dem Gußeisenwegweiser. Auch wenn vieles beim Wiederherrichten der Kanäle schöner gemacht wurde als es vielleicht je war, es strahlt jede Menge Originalität aus. Nach dem Aquädukt haben wir dann auch die inzwischen übliche Früehstückspause eingelegt.

Gesättigt folgten ein paar weitere Windungen und der erst vor einigen Jahren wieder hergerichtete Leek Tunnel. 120m Dunkelheit (*4). Zuvor aber die erschreckende Erkenntnis, das die Wikipedia lügt: Vor dem Leek-Tunnel trinkt garkeine Kuh! Eine weitere Lektion, die Christine mit Max lernen mussten, war dass der Weg ueber den Hügel wesentlich steiler war als es auf den Bildern in der Wiki so aussieht :))

Bald nach dem Tunnel ist wieder ein Winding Hole samt einem Schild dass hier zu wenden sei, da weiter vorne kein Platz sei. Also gewendet. Rückwaerts fahren mit den Booten ist eh eher zufallsgesteuert. Das Ruder hat praktisch keine Wirkung, Nur mit kurzen Vorwärtsschüben geht da was, was natürlich bei langsamer Rückwärtsfahrt wieder zum Anhalten führt. Letztendlich führt am langsamen Rückwärtsfahren und steuern per Staken nichts vorbei. Hinter der Wendestelle lag natürlich ein Boot, das auch zu umgehen war. Der Besitzer schaute ganz misstrauisch raus, machte aber keine Anstalten zu helfen. Als wir es dann komplett ohne Berührungen geschafft haben punktgenau hinter ihm anzulegen, kommt er rüber und erzählt wieviel Probleme er mit dem Umdrehen hatte … ganz alleine und ohne jemandem im Weg :)) Wir sind dann erstmal nach Leek rein zum Morisions Supermarkt, der genau da steht, wo früher das Hafenbecken war.

Kaum sind wir zurück kommen noch 3 andere Boote von denen Zwei hinter uns anlegen. Beide sind sich zu fein die Stangen zu verwenden und versuchen es mit wilden Motoraktionen, was neben eher lustigen Schlingerbewegungen in noch mehr Remplern an unserem Boot resultiert. Eine Entschuldigung oder wenigstens ein freundliches Lächeln ist nicht drinnen 🙁 Das dritte Boot (*5) spart sich das und legt gleich am Wendepunkt an – was was eigentlich garnicht sein sollte.

Aber was wär ein schöner Nachmittag ohne neues Chaos? In diesem Fall die Dusche. Ich hatte mir am Sonntag eine Dusche erlaubt und irgendwie das Gefühl, dass das Duschwasser immer noch im Bad herumschwappte. Hier muss man etwas ausholen, da die Dusche eine gwandte Konstruktion ist. Im Bad sind Toilette und Waschbecken auf einem kleinen Sockel montiert (*6) und es gibt einen Vorhang um beide abzudecken. Der Rest des Raumes wird so zur Duschkabine. Der Boden besteht aus Tischlerplatten mit zwei seitlichen Schlitzen durch die das Wasser in einen Raum darunter abfließt. Abgepumpt wird dann nach dem Baden mit einer manuell einzuschaltenden Pumpe. Die machte auch kräftig Lärm bei der Betätigung. Nur wie gesagt, auch nach viel pumpen und einen Tag später, schien da immer noch Wasser zu schwimmen. Also erstmal 20 Minuten rumprobiert in welchem Winkel man die Platten anheben muss damit man sie rausbekommt, dann war aber offensichtlich, dass da alles noch voll Abwasser ist – plus jeder Menge Dreck der sicher nicht von mir war.

Die Pumpe hab ich dann unter den Schubladen im Schrank nebenan gefunden. Filter gereinigt (war auch kräftig dreckig) und geschaut ob auch Unterdruck erzeugt wird – es wird. Ist wohl die Leitung verstopft. Das krieg ich jetzt nicht so hin. Also eine SMS an Canal Cruising geschrieben. Es war 17 Uhr und gemäß Übergabeprotokoll war ein Anruf oder Nachricht für nicht-Notfälle bis 18 Uhr ok. Keine Reaktion. Also nach einer Stunde nochmal geschickt, jetzt kam gleich eine SMS zurück mit einer Anweisung den Filter zu putzen. Also, zurückgeschrieben das ich das bereits getan habe, worauf die angerufen haben. Nochmal alles durchgegangen, und auf Anweisung einen weiteren Filter im aufgestauten Wasser gesucht (Bääähhh). Der wars aber auch nicht. Dann ging es darum einen Treffpunkt zu vereinbaren. Vorgeschlagen wurde ein ‚Ändn‚ oder ‚Consul Ford by the Black Lion‚ auf dem Weg nach Froghall, oder halt zurückfahren bis Stoke.

Das Gespräch lief etwas unbefriedigend, da ich mit besagtem Ort nix anfangen konnte. Wir waren nicht auf dem Weg nach Froghall sondern in Leek (und wahrscheinlich werden wir auch nicht mehr nach Froghall kommen), Stoke war recht weit, aber da war doch noch Park Lane, oder? So richtig ist nix rausgekommen bei der Kommunikation, außer, das wir uns morgen treffen müssen. In einem weiteren Stakkato von SMS stellte sich dann heraus, das Ändn Endon war, und selbiges eben genau das Park Lane bezeichnen sollte, an dem wir am Morgen Wasser genommen haben. Es war der Name des nächsten Ortes, und den Einheimischen scheinbar geläufiger als der offizielle Name. Grob überschlagen war klar, das wir das bis Morgen 12 Uhr schaffen würden. Die wollten ein Treffen so um 13-14 Uhr, was dann bestens passt. Ein ruhiger Abend war gesichert.

Bilanz Tag 4: Erstmals keine Schleusen und etwas weniger als 4 Meilen.

*1 – Park Lane ist der offizielle Name, Endon der Ort, was noch zu Verständnisschwierigkeiten führen wird.
*2 – Canal & River Trust. Die als gemeinnütziges Unternehmen deklarierte Behörde, die die Verwaltung der Kanaele duchführt. Nachfolerin der in den 40er Jahren durch Verstaatlichung der Kanäle entstandenen British Waterways. Wär natürlich zu einfach wenn es nur die eine Behörde gäbe. Da ist dann noch eine Umweltbehörde die für bestimmte schiffbare Flüsse und dazugehörige Kanäle, und natürlich haben die Schotten eine eigene Verwaltung für ihre Kanäle. Und dann ist da noch der Manchester Schiffskanal (plus Bridgewater Kanal), der als einziger halbwegs moderner und vor allem profitabler Kanal natürlich nicht verstaatlich wurde.
*3 – Es war mehr als ein mehr als ein Tröpfeln, ja sogar ein richtige Wasserfluss, aber ein Strahl, oder Druck ist was anderes.
*4 – Na ja, nicht wirklich, aber es wurde immerhin dämmerig.
*5 – Die kleine Angela von Canal Cruising.
*6 – Ja, man sitzt da drauf wie auf einem kleinen Thron.

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