Alle Wege führen zum Flughafen

Trotz aller Mühe sind wir doch erst um Acht Uhr losgekommen und es hat natürlich bald nach dem Ablegen mit Tröpfeln angefangen. Vorher ist es mir aber noch gelungen den Bildbeweis zu erbringen dass Windows XP in England entwickelt wurde :))

Eine Stunde Vierzig später dann der Frühstücksstopp kurz vor den Bosley Schleusen. Immerhin, 4 Meilen geschafft, aber trotz des rennbahnartigen Kanals war die effektive Geschwindigkeit halt doch wieder ‚blos‘ knapp über zwei Meilen die Stunde. Neben dem Wind arbeitete jetzt auch eine starke Strömung gegen uns. Ich schätz mal, der Wasserzufluss ist auf wesentlich mehr Verkehr und damit Verbrauch an der Schleusentreppe ausgelegt. Und der Durchsatz muss so oder so den Kanal runter. Entweder als Schleusenfüllungen, oder über den Überlauf.

Als wir mit den Schleusen beginnen verstärkt sich das Tröpfeln genau auf die Grenze ab der man eine Kopfbedeckung braucht … oder auch nicht … grummel. Immerhin machen wir die Schleusen in ziemlich genau 3 Stunden – Weltmeisterlich – also zumindest endlich mal bei den Zahlen (*1) die die Profis verwenden – wo wir bisher immer so bei 50% lagen – Bestenfalls.

Trotz aller Geschwindigkeitsrekorde lief uns die Zeit weg. Um 18 Uhr 15 sollte der Flieger aus München in Manchester landen. Der ursprünglich vorgesehene Ort, von dem aus Christine per Bahn die Kinder holen sollte, Marple Rose Hill Station (*2), lag noch gut 6-7 Stunden Fahrt weg, und es war schon 14 Uhr 30. Also, umgeplant und geschaut was als nächstes kommt: Macclesfield, eine größere Stadt mit IC Bahnhof, von da aus sollte es gut zum Flughafen gehen. Um 17 Uhr 10 waren wir dann auch dort. Chr abgesetzt und alleine weitergefahren, den Hund auf Deck angeleint, so dass er sich nicht alleine in der Kabine zu tode ängstigt. Nicht so super die Idee, weil zur Beruhigung hat das nicht viel beigetragen. Er schafft es doch glatt, bei Brücke 30, angeleint an Land zu springen – samt zirkusreifer Drehung, bei der Kopf mit Leine im Boot bleib. Zurück wollte er auf keinen Fall, also hab ich schnell das Halsband geöffnet. Damit war der Hund zwar davon bewahrt, vom Boot ins Wasser gezerrt zu werden, aber er war auch frei und ersmal weg.

Es hat gut 150m gebraucht bis ich anlegen konnte, einen Pin ins Ufer schlagen und das Boot da vertäuen. Alles alleine. Dann die Leine geschnappt und zur Brücke 30 zurückgerannt. Derweil war er weg. Nach ein bischen Rufen kam er freudig wedelnd hinter einer Hecke vor. Die Freude hielt nicht lange. Jetzt musste er doch unter Deck. Hilft nix, aber ich muss weiter.

Auf der Strecke gibts noch ein paar Begegnungen mit Reihern. Wirklich dumme Vögel sind das. Einer ist sage und schreibe fünf mal vor mir geflohen. Jedes mal so 100m weiter den Kanal entlang, nur um, als ich fast an ihm vorbei war wieder aufgeschreckt voraus zu fliegen. Obiges Video zeigt übrigens wie richtig schnell fahren so ist :))

Als ich mich Fourlane-Ends (*3) nähere ist Christine und die Kinder schon vor Ort. Den Funkgeräten sei Dank. Die Funktionieren hier glatt über mehr als zwei Meilen (~4km). Chr ist doch nicht mit der Bahn zum Flughafen gefahren sondern hat vor lauter Hektik, rechtzeitig da zu sein, ein Taxi bezahlt und dann halt am Flughafen gewartet. Als ich ankam gab es noch eine Standpauke für den Hund, aber der hatte schon die Sarah gehört und nichts anderes mehr im Kopf als die Freude, dass nicht nur das Rumpeln des Diesel aus war, sondern auch Sarah und Kiara da. Ach ja, und was ist das Wichtigste, was die Jugend heute so macht wenn sie wo ankommen? Genau, Selfies!

Der Treffpunkt erwies sich als perfekt, da nicht weit vom Kanal weg das Miners Arms gelegen ist. Die haben laut Führer auch bis 22 Uhr Küche. Als wir um 21 Uhr 40 da waren, hieß es die Küche wär schon seit halb zu. Mit ein bischen Social Hacking (*3) gabs aber doch was, und das war erstklassig. Wenn es den geneigten Leser also je nach Fourlane-Ends verschlägt, unbedingt dort essen gehen.

Anschließend waren wirklich alle bereit zur Heia.

Bilanz Tag 8: 10 Stunden Fahrt, 12 Schleuden, 16,5 Meilen, ein glücklicher Hund und ein fettes Abendessen.

*1 – 4 Schleusen Pro Stunde und 4 Meilen pro Stunde ist das was man überall gesagt bekommt als Vorgabe. Haha. Reeller ist wohl 3 Schleusen und 3 Meilen pro Stunde – und das mit den Meilen kann auch problemlos weniger sein, selbst auf schnurgeraden Kanälen.
*2 – Wer jetzt an Agatha Christie denkt liegt garnicht fals. Als junges Mädchen musste sie jedesmal auf dieser Station umsteigen wenn sie ihre ältere Schwester besuchte – und angeblich war das auch die Inspiration für den Namen der Detektivin.
*3 – Woanders wär das ein Verkehrsschild, in England ist es ein Schlafdorf vor Manchester.
*4 – Auf Deutsch: Jammern, dass wir so hungrig seien, und die Kinder erst gerade vom Flughafen geholt haben, und überhaupt und ganz lieb schauen (den Part hat der Hund perfekt übernommen).

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