Obelix, wie war denn die Schweiz so?

7 Uhr es regnet.
8 Uhr 30 es regnet
10 Uhr und es regnet weiter.

Ok, langsam klappt das mit dem im Bett bleiben auch nicht mehr so recht, und der Hund muss auch raus. Die Lust auf eine Fahrt durch mehr als 18 Schleusen (*1) bei dem Wetter ist nicht besonders ausgeprägt. Dazu kommen die Hinweise im Führer auf Halbstarke und dass man doch tunlichst den Abstieg vor 10 Uhr begonnen haben sollte. Gut, bei dem regen bleiben auch die Halbstarken daheim. Trotzdem eine weitere ‚gute‘ Begründung fürs nicht weiterfahren. Um halb Zwei entschließen wir uns zu einem Spaziergang in Richtung eines im Führer eingezeichneten Supermarkts, in der Hoffnung dort auch noch andere Geschäfte zu finden. Dank künstlich gewundener Strassen in Neubaugebiet wurde daraus ein Rundgang zurück zum Kanal und zum Boot (*2). Bestens für einen Boxenstop. Da es zu regnen aufgehört hat und auch sowas wie Sonne rausgekommen ist, fiel die folgenschwere Entscheidung beim Hund auf den Regenmantel(*3) zu verzichten.

Also auf ein Neues, diesmal noch einen Einheimischen gefragt ob wo ein amerikanisches Kulturinstitut ist, worauf wir eine Hauptstraße entlang gewiesen wurde, die nur 100m von unserem Liegeplatz weg ist, die wir aber noch garnicht bemerkt haben. Sogar mit Straßenbahn(*4). Ziemlich genau eine Straßenbahnhaltestelle später, als es natürlich zu schütten anfängt, tat sich dann auch eine Ansammlung von Großgeschäften auf. Angeordnet in U-Form, mit der Einfahrt in der Mitte und einem McD genau dort. Wie in Amerikanistan. Bemerkenswert vielleicht, dass kein Supermarkt dabei war, dafür die drei größten Läden Baumärkte waren. Egal, ab zum Burgerbrater, da die da ja WLAN haben. Und irgendwie, nach fast zwei Wochen englischer Nahrung, erschien ein schlecht gewürztes Fleischpflanzerl in labbriger Semmel mit roter Einheitssoße (*5) schon fast heimisch. Also, rein, Sandardzeugs bestellt und ab an den Tisch. Das Internet wollte natürlich wieder jede Menge an Registrierung, aber was solls, meine Daten sind ja nix wert. Gerade als das Netz ging, kam eine Dame um uns mitzuteilen, das dies ein Restaurant sei und der Hund daher nicht zulässig. Auf die Frage warum uns das nicht beim Bestellen gesagt wurde, als der Hund ganz klar im Weg stand, gabs nur ein mit ‚Sorry‘ garniertes Schulterzucken. Auch der Vorschlag Max einfach als Assistance Dog zu akzeptieren wurde nicht angenommen. Nach ein paar Wiederworten ist sie abgezogen und eine Minute später war der Manager da. Welcher wiederum darauf bestand, dass man ja ein Restaurant sei. Weiss ned, wenn McDonalds nicht das Musterbeispiel eines Hamburger-Stands ist, wer dann? Und vor allem, an der Türe waer ja ausgewiesen, das Assistance Dogs erlaubt seien. Äh, ja, und? (*6) Zum Schluss zeigte er sich sehr erfreut, dass wir mit einer Rückerstattung des Geldes zufrieden waren. Engländer und Prozesse. Eigenständiges Denken ist hier wirklich die totale Ausnahme. Zwischenzeitlich hatte ich es aber geschafft wenigstens einen Update hochzuladen, auch wenn das mit den Bildern nicht geklappt hat. Das ging dann aber an der Trambahnhaltestelle.

Auf dem Rückweg fällt dann doch einige eher ungewöhnliche Verkabelung bei den Einfamilienhäusern auf. Recht neue Masten von denen dünne Kabel jeweils zu 6 bis 10 Häusern gehen. Telephon und Strom kanns ja eigentlich nicht sein, sowas liegt auch in England schon länger unter der Erde. Bei genauerer Betrachtung stellt sich raus, dass es höchstwahrscheinlich Glasfaser fürs Internet ist. Na ja, kann man schon so machen, schön ists dann aber nicht.

Zurück im Boot gabs zum Abendessen dann zwei Rumpsteaks mit selbstgemachter Senfbutter, gefüllte Schwammerl und chipsartigen Pommesscheiben – ok, die waren nicht ganz krisp, aber was solls, gut wars.

Bilanz Tag 11: Null Meilen, null Schleusen und ein angenehm gefüllter Magen.

*1 – 18 Schleusen auf dem Ashton Kanal und weitere 9 am unteren Ende des Rochdale Kanals bis zum Pegel des Bridgewater Kanals an der Castlefield Kreuzung, dem Rest einiger weiterer Kanäle, die sich dort zu einem teilweise renovierten und gentrifizierten Hafensystem vebinden.
*2 – Und wir Max an den Gänsen vorbeigeleitet haben. Der Hund hat einen Heidenrespekt vor dem großen Federvieh :))
*3 – Jup, Chr hat extra einen mittelblauen Regenmantel für den armen Hund gekauft – nach einer langwierigen Suche und Auswahl. Weil, in England wirds ja möglicherweise viel Regnen und dann ist es doch gut wenn der Hund nicht so nass ins Boot kommt.
*4 – Die Straßenbahn in Manchester ist insofern bemerkenswert, als dass sie mit dem Aufbau in den 1990ern nicht nur das erste neue System in England nach dem Krieg ist, sondern inzwischen auch recht groß. Da Anfangs ein guter Teil der Strecke auf einer ehemaligen Bahntrasse gelegen war, wurde sie mit Bahnsteigen und Hochfluhr ausgefuehrt. Das auffälligste Feature ist aber die Oberleitung. Da ausser der recht kurzen Strecke in Blackpool alle Bahnen in England eingestellt wurden, gab es auch weder aktuelles noch praktisches Wissen mehr über den Bau. Schon garnicht Vorschriften zu modernen Systemen. Andere hätten da einfach die Baunormen aus Ländern mit aktuellen Bahnsystemen übernommen. So wie auch die sonstige Technik eingekauft wurde. Nicht aber in England. Man hatte ja schliesslich lang bewerte Normen und Vorschriften. Das die alle aus der Zeit waren, als Stangerl Standard waren störte keinen. Ist ja nur ein Draht der über den Gleisen hängen muss, oder? Und nach den Normen für Stangerl war es wichtig, dass es schön in der Mitte hängt und das ist doch sicher am besten, gell? Ned wirklich. Schon während der Testfahrten gab es eine unerwartet starke Abnutzung der Schleifstücke – und nach wenigen Tagen Test musste der Betrieb wieder eingestellt werden, da die schönen neuen Schleifstücke bei allen eingesetzten Wagen in der Mitte durchgesägt waren. Für den Einsatz von modernen Schleifern muss der Fahrdraht im Zickzack geführt werden, um so eine  gleichmäßige Abnutzung des Schleifstücks am Bügel zu erreichen. Die weniger akkurate Fahrdrahtführung in Kurven (Einfacher im Aufbau), die geringere Anzahl der Masten (Billiger im Aufbau) dank grösserem Abstand und die längere Lebensdauer der Schleifstücke (Billiger im Betrieb) und sind ja gerade die Vorteile, die Schleifern zum Durchbruch verholfen haben. Jetzt wurde in aller Eile eine Art Zickzack eingeführt, was in der Praxis ein Erneuern aller Spanseile war. Könnte man jetzt unter Lehrgeld abbuchen, wäre das Schema nicht bei allen später gebauten Linien beibehalten worden. Enger Mastenabstand, extreme Flachkette und superfeine Abspannung. Jetzt aber in einem Sinus, der natuerlich viel besser ist, als ein einfacher Zickzack. Jaja.
*5 – Und ich will auch garnicht wissen was da drinnen ist.
*6 – Irgendwie typisch für Manager und Logik, oder? Die Beschilderung in einem McD ist ja keine lokale Erfindung des einzelnen Lokals, sondern von der (Landes-)Zentrale vorgegeben. Eine Auschilderung, dass Guide-Dogs erlaubt sind, ist an und für sich schonmal nutzlos, da die Zulässigkeit (auch in England) gesetzlich geregelt ist, und daher sowiso überflüßig. Die Logik mit dieser Aussage den Schluss das andere Hunde verboten seien zu verbinden Bedarf sicher einen Master in Betriebswirtschaft oder Werbekunde.

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