Low Tech Lösung und High Tech Probleme

Erster Gang in der Früh ist nicht auf die Schiffstoilette, sondern zu Einersolchen in der CRT Station. Alldiweil, unsere … aeh … Sanitärtanks laufen langsam voll, und ich hab keine Lust die auf eigene Kosten vor Ablauf der Reise auspumpen zu lassen. Und überhaupt. Christine schiebt da schon langsam, nein, keine Panik, dazu ist das zu unimanent, aber deutliche Bedenken.


Das Duschen wird dann aber doch im Boot erledigt, Wasser haben wir genug, und das Abwasser geht ja nicht in besagte Tanks, sondern direkt in den Kanal. Nur mit der Temperatur ist nicht mehr weit her (*1). Aber was solls, lauwarm ist viel besser als kalt. Kaum sind wir fertig abgetrocknet und wollten uns Frühstück machen, da klopft es am Fenster: Die Schleusen werden geöffnet! (*2)

Ok, es war noch Zeit, aber das erste Boot drängelte schon an der Schleuse, aber die hatte es auch gestern schon eilig möglichst weit vorne zu liegen, bevor sie sich mit genug Dosenbier die Kante gaben. Die Fahrt durch die Schleusen war gut, wenn man davon absah, das das Boot mit den über 80-Jährigen, hinter uns, so gut eingeübt war, dass bei fast jeder Schleuse einer der Brüder genug Zeit hatte zu uns zu kommen und mitzuhelfen (*3). Die Schleusen wurden so in einem Rekordtempo von 2:20 durchfahren

Auf gings, und wir waren wir durch. Rekordzeit. Nicht ganz 12 Minuten pro Schleuse. Das ist sogar besser als die ‚Profizeit‘ von 15 Minuten pro Schleuse die manche Seiten und Führer als Rechenhilfe angeben (*4). Nach den Schleusen war erstmal Staubsaugen (Abteilung Der alte Mann und der Plastikmüll), Brunchen und Nickerchen angesagt. Nur gestört von der Nachricht, dass die Aufladung des Handy nicht verlängert werden kann, da nicht mehr genug Geld auf dem Prepaid-Konto. Mist. SMS an Zuhal, dass sie doch mal schauen sollte und in einem Laden so für 20 Euro was kaufen sollte und mir dann die Nummer schicken. Hat sie dann nicht gemacht, sondern irgend einen Internetdienst genommen, der hat zwar auch 20 Euro draufgepackt, dafür aber 22 Euro verlangt. Was solls, hat geklappt. Nach der Bestätigung kam auch die O2 Bonus-Verarsche (*5). Passt.

Nach der ausführlichen Pause ging es dann um 17 Uhr weiter zum Tagesziel Congleton. Hab ich eigentlich schon gesagt, dass Max sich trotz anfänglich großer Schwierigkeiten fast schon zu einem Bootshund entwickelt hat? Er bleibt jetzt ganz ruhig auf dem Deck stehen, oder sogar liegen, auch wenn es die Möglichkeit gäbe bei einer Brücke an Land zu springen. Selbst wenn er mit Christine mal zwischen zwei Brücken laufen soll, wartet er brav, bis das Kommando kommt. Es war ein langer Weg von einem Hund, den nicht mal festbinden auf dem Boot halten konnte bis hierher. Ok, er ist noch nicht total glücklich, aber schon entspannt genug selbst unter Deck zu gehen wenn er Durst hat, oder mal nach vorne um zu schauen wo Christine bleibt.

Um kurz vor Sieben waren wir dann in Congleton, direkt an Brücke 75, und nur rund 15 Meter weg vom Eingang zum Queenshead. Der Abend mit Bier und Internet war gesichert.

Bilanz Tag 19: 5 Meilen und 12 Locks und schön wars.

*1 – Der Warmwasserspeicher wird vom Kühlwasser des Motors auf Temperatur gebracht. Eine richtig gute Idee, praktisch kostenlose Energie, die den Hintern wärmt anstelle den Kanal – wo sonst die Wärme über einen Kühler im Boden hin abgegeben würde. Ich mein, wird sie auch, aber ein Teil halt geht ins Warmwasser. So ein Boot ist zwar sowas wie ein Riesenwohnmobil, was schwere Einbauten wie riesige Tanks und eben Wärmespeicher anbelangt gibts aber viel weniger Beschränkungen. Langer Rede kurzer Sinn, mit dem wenigen Fahren gestern war das Duschwasser eben auch nicht besonders warm.
*2 – Tja, schaut fast so aus, als wenn der Schlipsträger von Gestern zu früh umgedreht hat. Aber vielleicht hätte so ein ruhiger Nachmittag mit Kühen vorm Bootsfenster ihn auch in echten Existenzzweifel versetzt.
*3 – Zu unserer Entschuldigung muss man wohl sagen dass die das seit über 30 Jahren ein bis zweimal im Jahr machen. Das erste mal, wie sich herausstellte hatten sie übrigens ein Boot von der gleichen Firma gemietet wie wir. Was wunder, ist das nicht nur praktisch der älteste noch exisierende, sondern überhaupt der älteste Vermieter für Freizeitboote am Kanal. Angefangen haben die 1948. Zu einer Zeit als der (spärlicher werdende) Verkehr auf den Kanälen praktisch komplett noch aus Fracht bestand.
*4 – In vielen Führern wird zur Streckenberechnung gesagt man solle Meilen und Schleusen zusammenrechnen und durch 4 Teilen. Das mit den Schleusen (vier pro Stunde) haut ja noch einigermaßen hin, aber 4 Meilen schafft man nie und nimmer im Kanal. Zwei, das geht, aber keine Vier. Selbst bei absolutem Rasen über (fast) schnurgerade Strecken sind wir nie über einen Schnitt von 2,4 Meilen/Stunde rausgekommen. Andere, realistischer Angaben ist 3 Meilen und 3 Schleusen pro Stunde. Auch hier liegt die Fahrgeschwindigkeit zu hoch, aber mit genug Schleusen mag es passen :))
*5 – Bei jeder Aufladung über 15 Euro gibts einen ‚zufälligen‘ Bonus. Meist 40 Minuten oder 40 Frei-SMS in alle deutschen Netze. Die müssen aber innerhalb der nächsten 7 Tage abgearbeitet werden. HaHa. Das ist schon in Deutschland eher schwierig, hier wo die Auslandsgebühren dazukommen, ist es nur noch Krampf.

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