Was ein schöner und gemütlicher Spätsommertag

Das was wir gestern an Strecke gemacht hatten wurde Heute im Tea-Room der Norbury Wharf vertrödelt. Geplant waren so 14 Meilen, da uns ja keine Schleusen aufhalten würden. Daraus wurde nichts. Der „Last Service For 10 Hours Cruising“ war stärker. Aber der Reihe nach.

Gleich nach dem Aufstehen ging es durch das Grub Street Cutting, einer der tiefen Einschnitte des Shropshire Union Kanals durch einen Hügel. Wie gestern schon der Woodseaves Einschnitt war auch dieser so sehr an den Hängen zugewachsen, dass man sich eher in einem Urwald wähnte, als in Mittelengland. Ein  ‚Settlement‘ mit einer Mischung aus Schrottplatz und Einsiedelei, Boots- und Oldtimersammlung an einer etwas breiteren Stelle vermittelte den Eindruck einer versunkenen Kultur.

Später im Einschnitt dann noch mehr versunkene Kultur – und wohl eines der bekanntesten Bilder von Englands Kanälen, eine Brücke mit zwei Bögen übereinander und einem Telegraphen­mast (*1) in der Mitte. High-Tech einer anderen Zeit.

An der Norbury Junction hatten wir erstmal nur zum Wasser fassen angehalten (*2). Danach wurde das Boot ein paar Meter weiter, am ersten freien Platz (*3), vertäut, und es war Zeit für das übliche, späte Frühstück … ob der englischen Aufmachung (mit Bohnen, Schwammerl und Speck) wohl eher ein Brunch. In beiden Führern wurde Tea-Room der Wharf (*4) lobend erwähnt und nach einem kurzen Blick auf die Speisekarte wurde auch gleich entschieden, sich heute mal das Frühstück auftischen zu lassen. Nicht das das offene WLAN, das sich beim studium der Karte offenbarte, eine Rolle gespielt hätte. Aus dem schnellen Frühstück mit Mailchecken wurde so ein gut fünfstündiger Aufenthalt. Endlich wieder Internet zu haben hat schon so seine Nachteile. Als dann die Tablett-Batterie die Flügel hängen ließ (und Chr gerade mal nicht da war), wurde noch schnell der Kindle geladen (*5).

Als der Tee ausgetrunken  war gings weiter. Da es inzwischen schon Viertel nach Drei war, war klar, dass wir nicht mehr weit kommen werden. Das noch knapp 3 km entfernte Gnosall (*6) erschien beim Kartenstudium als geeignetes Ziel. Bis dahin ging es wieder über einen langen Damm, direkt auf Höhe der Bäume des linker Hand liegenden Shelmore Wood. Rechts davon lugten zwischen den Bäumen Wiesen und Schafe durch. Noch ein kleiner Einschnitt und Ort und Liegeplatz waren erreicht.

In Gnosall wollten wir uns dann die Kirche anschauen und uns was aus dem Take-Away-Chinesen, der im Persons Guide beschrieben war, mitnehmen. Der hatte aber zu. Urlaub bis Ende nächster Woche. Im gleichen Haus war aber lustigerweise auch das Bengal Spice, einem Bangladeschi-Inder. Nur ebenfalls zu. Aber laut Aufschrift an der Türe sollte er eh erst um 17 Uhr aufmachen. Es war zwar schon drei Minuten vor Fünf und noch nichts zu sehen, aber man kann ja Hoffnung haben. Also erstmal zur Kirche. Und die war … ja, genau, die war auch versperrt.

Auf dem Rueckweg, so ca. um halb Sechs, war dann Licht im Verkaufsraum. Die Vordertüre war trotzdem verrammelt. Zum Glück hatte ich bei der vorherigen Suche nach dem Chinesen, der nur über den Hinterhof erreichbar war gesehen, dass da noch ein Schild des Bangladeschi-Inders war. In einer autogetriebenen Gesellschaft wie England ist wohl der Zugang vom Parkplatz wichtiger als der Vordereingang. Jetzt mussten wir uns nur noch durch eine sehr niedrige Tür und einen verwinkelten, kleinen Gang entlang winden, um dann im vorne gelegenen Eingangsraum zu Bestellen. Wir hatten ein Bishwanath, Christine mit Lamm und ich mit Huehnchen. Beides richtig gut, aber viel zu wenig Reis dazu. Zum Glück hatten wir noch ein Päckchen Aldi Mikrowellenreis da (*7). Passt.

Bilanz Tag 9: Nur 6,5 Meilen wegen Internetsucht.

*1 – Wer diesem Link jetzt auch noch gefolgt ist, der hats entdeckt: Es gibt tatsächlich eine Telegraph Pole Appreciation Society. Wer hat eigentlich das Märchen erfunden wir währen die Weltmeister im Vereine gründen?
*2 – Wasser fassen ist, seit uns im Frühjahr einmal das Wasser ausgegangen ist, der Running Gag. Da konnte die Suche nach dem Hundefutter nicht wirklich mithalten.
*3 – An den Wasserstellen darf man nicht länger liegen bleiben, selbst wenn die Poller und der Feste Kai noch so verführerisch sind. Andere wollen auch mal.
*4 – Es gibt auch noch ein Restaurant, den Junction Inn, aber der machte irgendwie nicht den gleichen legeren Eindruck.
*5 – Siehe Vorvorgestern.
*6 – Ausgesprochen No-Sall.
*7 – Jo, ich kannte sowas zu dem Zeitpunkt noch nicht, daher hab ich das Packerl mal testweise mitgenommen, obwohl auf dem Boot gar keine Mikrowelle war. Aber man kann den auch so warm machen. Inzwischen hab ich den hier auch schon überall gesehen.

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